Kosten & Recht

Zweitschlüssel nachmachen: Kosten, Recht & Sicherheitskarte

Burak Koc
Experte für Sicherheitstechnik
Zweitschlüssel nachmachen: Kosten, Recht & Sicherheitskarte

Ein Zweitschlüssel klingt nach einer Kleinigkeit, ist es bei einfachen Türen meistens auch. Sobald aber ein Sicherheitsschloss im Spiel ist, ändert sich die Lage komplett: Ohne das richtige Dokument bekommt man im Baumarkt um die Ecke gar keinen Schlüssel kopiert, egal wie dringend man ihn braucht. Wer sich rechtzeitig informiert, spart sich Ärger und unnötige Wege.

Normaler Schlüssel oder Sicherheitsschlüssel?

Der Unterschied entscheidet über Preis, Aufwand und darüber, wo man überhaupt hingehen kann.

Einfache Profilzylinder, wie sie in vielen Innentüren, Kellerabteilen oder älteren Wohnungstüren verbaut sind, lassen sich an jedem Schlüsseldienst und in vielen Schuhgeschäften oder Baumärkten kopieren. Der Rohling wird eingespannt, die Fräsmaschine überträgt das Profil, fertig.

Bei Sicherheitsschlüsseln sieht es anders aus. Diese erkennt man an Stempelungen wie “Patent”, an ungewöhnlichen Profilformen oder an zusätzlichen Bohrungen und Wellenlinien auf dem Bart. Hersteller wie Abus, Winkhaus, Kaba oder Mul-T-Lock schützen ihre Profile patentrechtlich, oft für 10 bis 20 Jahre. In dieser Zeit darf nur der Hersteller selbst oder ein autorisierter Fachhändler Rohlinge anfertigen und ausgeben.

Was kostet ein Zweitschlüssel?

Bei Standardschlüsseln bewegen sich die Preise meist zwischen 3 und 10 Euro pro Kopie, je nach Profil und Anbieter.

Bei patentierten Sicherheitsschlüsseln liegt der Preis spürbar höher, häufig zwischen 15 und 50 Euro pro Schlüssel. Der Aufpreis kommt nicht von ungefähr: Die Rohlinge sind teurer in der Herstellung, der Vertrieb läuft kontrolliert über wenige Stellen, und die Anfertigung erfordert oft spezielle Maschinen, die ein normaler Schlüsseldienst gar nicht besitzt.

Bei zentralen Schließanlagen, etwa in Mehrfamilienhäusern, kann ein einzelner Schlüssel sogar 30 bis 100 Euro kosten, weil jeder Schlüssel auf die komplette Anlage abgestimmt sein muss und die Codierung über den Hersteller läuft.

Die Sicherungskarte: Das wichtigste Dokument

Wer einen Sicherheitsschlüssel kauft, bekommt dazu eine Sicherungskarte (auch Eigentumskarte oder Sicherheitskarte genannt). Auf dieser Karte stehen die Schließanlagennummer, der genaue Profiltyp und meist auch eine Liste, wie viele Schlüssel zu welchem Zeitpunkt ausgegeben wurden.

Diese Karte ist der Schlüssel zum Schlüssel. Nur wer sie vorlegt, kann beim Hersteller oder einem autorisierten Händler einen weiteren Schlüssel nachbestellen. Ohne Karte: keine Kopie. Das ist Absicht, denn genau diese Hürde verhindert, dass jemand, der zufällig einen fremden Schlüssel findet oder entwendet, sich beliebig viele Kopien anfertigen lässt.

Die Karte sollte daher nicht zusammen mit dem Schlüsselbund aufbewahrt werden, sondern an einem separaten, sicheren Ort, etwa im Aktenordner oder Safe. Verliert man Schlüssel und Karte gemeinsam, ist im schlimmsten Fall ein kompletter Zylindertausch die einzig saubere Lösung.

Sicherungskarte verloren, was nun?

Ist die Karte weg, der Schlüssel selbst aber noch vorhanden, gibt es meist zwei Wege. Manche Hersteller akzeptieren eine eidesstattliche Erklärung zusammen mit dem Originalschlüssel und einem Eigentumsnachweis für die Wohnung oder das Haus. Andere verlangen zwingend die Karte und bieten ohne sie keine Nachbestellung an.

In der Praxis bedeutet das oft Wartezeit von mehreren Tagen bis Wochen, weil die Anfrage über den Fachhandel an den Hersteller weitergeleitet wird. Wer kurzfristig einen Zweitschlüssel braucht und keine Karte hat, sollte sich auf diese Verzögerung einstellen, ein Vor-Ort-Schlüsseldienst kann hier in der Regel nicht weiterhelfen.

Wer darf einen Zweitschlüssel nachmachen lassen?

Bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern ist die Sache einfach: Der Eigentümer entscheidet, wer Zweitschlüssel bekommt und wie viele.

Bei Mietwohnungen wird es differenzierter. Mieter dürfen für ihre eigenen Türschlösser in der Regel auf eigene Kosten Zweitschlüssel anfertigen lassen, etwa für Familienmitglieder oder eine Haushaltshilfe. Anders sieht es aus, wenn die Wohnung Teil einer zentralen Schließanlage ist, die auch Haustür, Keller und Gemeinschaftsräume abdeckt. Hier liegt die Sicherungskarte meist beim Vermieter oder der Hausverwaltung, und zusätzliche Schlüssel dürfen nur mit deren Zustimmung bestellt werden.

Der Hintergrund: Bei einer zentralen Schließanlage betrifft jeder zusätzliche Schlüssel das Sicherheitskonzept des gesamten Hauses. Verliert ein Mieter einen Schlüssel zu einer solchen Anlage, kann das im Extremfall den Austausch aller Zylinder im Haus nach sich ziehen, und die Kosten dafür werden in vielen Mietverträgen ausdrücklich dem Mieter zugeordnet. Wer hier unsicher ist, findet mehr dazu im Artikel über Schlüsselverlust bei zentralen Schließanlagen.

Zentrale Schließanlagen: Der Sonderfall

In Mehrfamilienhäusern, Bürogebäuden oder Gewerbeobjekten ist fast immer eine Generalhauptschlüssel-Anlage (GHS) verbaut. Hier passt ein Schlüssel auf mehrere oder alle Türen, abgestuft nach Berechtigung.

Für solche Anlagen gibt es keinen schnellen Weg über den Schlüsseldienst um die Ecke. Jede Bestellung läuft über die hinterlegte Sicherungskarte und meist direkt über den Hersteller oder dessen Vertragspartner. Die Lieferzeit liegt häufig bei ein bis drei Wochen. Wer für ein Gewerbeobjekt plant, sollte das frühzeitig einkalkulieren, etwa bei Mitarbeiterwechseln oder der Übergabe an neue Mieter.

Wo lässt man einen Zweitschlüssel anfertigen?

Für Standardschlüssel reicht der Gang zum nächsten Schlüsseldienst oder Schuhmacher mit Schlüsselservice. Für Sicherheitsschlüssel mit Patentschutz braucht es einen Fachbetrieb, der beim jeweiligen Hersteller registriert ist und Zugriff auf die passenden Rohlinge sowie die Codierdaten hat.

Ein örtlicher Schlüsseldienst kann hier oft schneller helfen als ein anonymer Online-Anbieter, weil die Sicherungskarte persönlich vorgelegt und geprüft werden kann und der Auftrag direkt an den Hersteller weitergegeben wird. Wer beispielsweise in Aschaffenburg oder Darmstadt wohnt, findet vor Ort Betriebe, die diesen Service regelmäßig anbieten.

Fazit: Karte sicher aufbewahren, früh planen

Bei normalen Schlüsseln ist ein Zweitschlüssel eine Sache von wenigen Minuten und ein paar Euro. Bei Sicherheitsschlössern entscheidet die Sicherungskarte darüber, ob es schnell und günstig geht oder ob Wochen ins Land ziehen. Wer sie verlegt oder verliert, sollte das nicht auf die lange Bank schieben, denn je länger man wartet, desto größer wird im Zweifel auch das Risiko, dass der verlorene Schlüssel in falsche Hände gerät.


Weiterführende Artikel:


Schlüsseldienste in Ihrer Nähe:

WhatsApp Button
NOTFALL: 0151 22137840